Statuen in Kassel

Elisabeth Selbert neben vielen Männern

 

Das jüngste Denkmal im Kasseler Stadtbild wurde zu Ehren von Elisabeth Selbert (unser Foto) am Scheidemannplatz aufgestellt. Da stellt sich die Frage, wer ansonsten als denkmalwürdig angesehen wurde. Die Kasseler Juristin, die sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau und den entsprechenden Paragrafen im Grundgesetz eingesetzt hat, hätte es wahrscheinlich geahnt. Es sind weitgehend Männer. Von den Landgrafen bis zu den Brüdern Grimm gibt es eine Reihe von Statuen, die zum Großteil in der Innenstadt stehen. Eine Ausnahme ist die Büste der Märchenfrau Dorothea Viehmann im Märchenviertel von Niederzwehren. tos  

Für wen wurden und werden in Kassel eigentlich Statuen aufgestellt? Größtenteils für Männer, die schon länger verstorben sind. Es gibt aber auch Ausnahmen und Kuriositäten.

Kassel – Der jüngste Neuzugang ist Elisabeth Selbert. Zum Gedenken an die Kasseler Juristin, die maßgeblich daran beteiligt war, die Gleichberechtigung im Grundgesetz zu verankern, gibt es jetzt eine Statue. Wir haben uns einmal umgesehen, wo im öffentlichen Raum an Menschen erinnert wird. Um es vorweg zu nehmen: Frauen sind dabei eindeutig in der Minderheit.

Die Klassiker

Durch Bauwerke wie den Herkules und die Orangerie, durch große Grünanlagen wie den Bergpark Wilhelmshöhe und die Aue haben sie Kassel geprägt. Kein Wunder also, dass es sowohl Landgraf Karl (1654 bis 1730) als auch Landgraf Friedrich II. (1720 bis 1785) auf den Sockel eines weithin sichtbaren Denkmals geschafft haben. Eins davon steht auf dem Karlsplatz (passt ja) vor der Karlskirche (passt ebenfalls). Das andere steht auf dem Friedrichsplatz (siehe oben) nicht weit vom Fridericianum (auch sehr passend) und ist im Lauf der Jahre vom Zentrum etwas an den Rand gerückt. Diese beiden sieht man einfach so beim Spaziergang durch die Stadt. Es gibt aber auch ein Denkmal für Kurfürst Wilhelm I. (1743 bis 1821), das nicht ganz so leicht zu finden ist. Dafür muss man durch die obere Passage der Kurfürstengalerie gehen, die nach ihm benannt ist. Unter dem hohen Glasdach lächelt er huldvoll vom Sockel. Auch an Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) und seine Aufenthalte in Kassel wird übrigens erinnert. Seine Büste steht im Stadthallengarten.

Musik/Wissenschaft

Auf dem Opernplatz steht das Denkmal für den Stargeiger, Dirigenten und Komponisten Louis Spohr (1784 bis 1859). Der war ein Superstar im 19. Jahrhundert und 35 Jahre Hofkapellmeister in Kassel. Neben dem Italiener Niccolò Paganini zählte er zu den größten Geigern seiner Zeit.

Etwas aus der Reihe tanzt Denis Papin (1647 bis 1712). Landgraf Karl hatte ihn wie viele andere verfolgte Hugenotten nach Kassel geholt. Papin war wahrhaftig ein Hans Dampf in allen Gassen. Ein Multitalent, das nur haarscharf nicht als Erfinder der Dampfmaschine in die Geschichtsbücher einging, dafür aber unermüdlich forschte, tüftelte, experimentierte und unter anderem den ersten Dampfkochtopf erfand. Sein Denkmal steht genau da, wo es hingehört, nämlich vor dem Naturkundemuseum Ottoneum. Doch eigentlich ist es eher ein Brunnen als ein Denkmal und allein deshalb schon außergewöhnlich.

Berühmte Brüder

In der Torwache haben sie unter anderem gewohnt, nicht weit davon steht das Denkmal für Jacob (1785 bis 1863) und Wilhelm Grimm (1786 bis 1859) – natürlich auf dem Brüder-Grimm-Platz. Was die von der aktuell geplanten Umgestaltung halten, ist nicht bekannt. Dafür bieten sie eine absolut naheliegende Überleitung zu einer der wenigen Frauen, für die es in Kassel ein Denkmal gibt. Nicht als Statue, aber immerhin als Büste. Die Märchenfrau: Im Märchenviertel von Niederzwehren steht auf dem Märchenplatz die Büste der Märchenfrau Dorothea Viehmann (1755 bis 1815). Sie hat den Grimms stundenlang Geschichten erzählt. Die hatte die junge Dorothea, als sie noch Pierson hieß, auf der Knallhütte in Niederzwehren gehört, wo die Durchreisenden oft übernachteten.

Neben Dorothea Viehmann hat als zweite Frau jetzt auch Elisabeth Selbert (1896 bis 1986) ihr Denkmal. Sehr dynamisch mit der Aktentasche unter dem Arm kommt sie daher. Und hätte sicher nichts dagegen, wenn auch andere Frauen entsprechend geehrt würden.

Das Ich-Denkmal

So lange das nicht der Fall ist, kann sich jede und jeder selbst auf einem Sockel inszenieren. Dafür gibt es schräg gegenüber von den Brüdern Grimm am gleichnamigen Platz die ungewöhnliche Gelegenheit. Dort steht seit 2007 das Ich-Denkmal. Es stammt von dem mit viel Humor ausgestatteten Künstler Hans Traxler. Der hat den Sockel mit der Aufschrift „Ich“ im Zusammenhang mit einer Ausstellung in der Caricatura, der Galerie für komische Kunst, geschaffen. Einfach draufstellen und wichtig gucken – oder sich selbst auf die Schippe nehmen.

 



HNA 14. Oktober 2021

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