Kassel – Ein ereignisreiches Elisabeth-Selbert-Jubiläumsjahr liegt hinter Kassel. Anlass für eine Bilanz:

Vor 125 Jahren wurde Elisabeth Selbert geboren. Dieser Geburtstag ist in diesem Jahr bundesweit, vor allem aber in ihrer Geburtsstadt Kassel, mit einer Vielzahl von zum Teil hochkarätigen Veranstaltungen gefeiert worden. Höhepunkt war ein Festakt, zu dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Kassel gekommen war, eine würdigende Rede hielt und eine Selbert-Skulptur enthüllte.

Der Geburtstag der berühmten Juristin und sozialdemokratischen Politikerin, der die Deutschen nichts Geringeres als den Gleichheitsartikel im Grundgesetz zu verdanken haben, war für viele Anlass, sich mit ihr intensiver oder überhaupt erst zu beschäftigen.

„Die gehäuften Anfragen an uns – von Journalistinnen und Journalisten sowie anderen Interessierten zum Teil aus aller Welt – haben schon im Januar begonnen“, sagt Kerstin Wolff, die als Historiker im Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) arbeitet. Das Archiv verwaltet den umfangreichen Nachlass Selberts. Er war der Einrichtung von der Familie übereignet worden und ist seitdem Grundlage für diverse wissenschaftliche Arbeiten.

„Es ist erfreulich zu sehen, dass die Erinnerungskultur zu Elisabeth Selbert in der Stadt Kassel bereits sehr vielfältig ist“, sagt Laura Schibbe vom AddF. „Viele Initiativen und Ideen aus der Zivilgesellschaft und der kommunalen Verwaltung sind erfolgreich umgesetzt worden“, so Schibbe. So habe ein Magistratsbeschluss vor drei Jahrzehnten das Ziel benannt, bei Straßenbenennungen Frauen den Vorrang bei der Neubenennung einzuräumen. Und so gibt es unter anderem auch die Elisabeth-Selbert-Promenade, die von der Draht- bis zur Hafenbrücke an der Fulda entlangführt und die Wallstraße kreuzt, in der sich Selberts Elternhaus befand.

Auch das Bürgerhaus in Niederzwehren trägt Selberts Namen. Eine künstlerische Installation ihr zu Ehren wurde vom AddF im Kasseler Rathaus kuratiert und umgesetzt. Zudem gibt es seit 2009 im Rathaus für Empfänge die Elisabeth-Selbert-Seitenhalle mit historischen Foto-Impressionen an den Wänden.

Im gleichen Jahr wurde im Innenhof des Bundessozialgerichts der zentrale Saalneubau nach Selbert benannt.

Eine herausragende und bleibende Erinnerung an Elisabeth Selbert haben die Kasselerinnen und Kasseler in diesem Jahr mit einer Bronzeskulptur auf dem innerstädtischen Scheidemannplatz erhalten. Dort hatte Selbert zuletzt ihre Kanzlei. Die lebensgroße Arbeit in der Gestalt Selberts hat die nordhessische Bildhauerin Karin Bohrmann-Roth im Auftrag von Soroptimist Elisabeth Selbert angefertigt.

Der jüngste von drei Kasseler Soroptimistinnen-Clubs hatte sich seit seiner Gründung vor drei Jahren vorgenommen, eine entsprechende Statue zu stiften. Dass ihre Realisierung mit den Jubiläumsfeierlichkeiten zusammengefallen ist, sei ein schönes, aber zufälliges Zusammenspiel, so die Vorsitzende Renate Matthei. Sie betont: „Die Skulptur steht nicht auf einem Sockel, sondern ist ebenerdig platziert, auf Augenhöhe mit den Menschen. Das entspricht eher dem Wesen Elisabeth Selberts als von oben herab.“

 

 

ArchivFoto: Christina Hein
Quellenangabe: Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 29.12.2021, Seite 11


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